Der Zirkus

Preis

19.99€

Verlag

S. Fischer

Autor

von Nils Minkmar

Magazin

Es gehört schon etwas Mut dazu, in diesen Wochen ein Buch über Peer Steinbrück zu veröffentlichen. Der Ex-Kanzlerkandidat, Pannen-Peer und Klartextredner ist abgetaucht, er hat – wie man hört – wieder Zeit zum Lesen und hat vor einigen Wochen einen Vortrag an der Universität Leipzig gehalten. Wer also interessiert sich jetzt noch für Steinbrück?

Der Feuilleton-Chef der „Frankfurter Allgemeinen“ Nils Minkmar hat den Hanseaten ein Jahr lang im Wahlkampf begleitet. Seine Beobachtungen, Reflexionen und Gedanken stehen auf 220 Seiten, ungefiltert, es gab keinen Vertrag, kein Prozedere zur Autorisierung von Zitaten oder beobachteten Szenen. Das tut dem Buch gut.


Sehr angenehm ist zudem Minkmars persönliche Zurückhaltung. Der 47-Jährige verfällt beim Schreiben nicht in die Überheblichkeit mancher Politik-Journalisten, die aus der Außenperspektive heraus kopfschüttelnd auf den „Trial-and-Error-Wahlkampf“ der SPD schauen.


Minkmars „Röntgenaufnahme des politischen Betriebs in Deutschland“ verändert teils sogar sein eigenes Urteil, was er selbstreflektierend nachzeichnet. Auch das tut dem Buch gut. Dafür teilt der Journalist an anderen Stellen kräftig aus;  seine stärkste Waffe sind außergewöhnliche Sprachbilder. Schon im dritten Kapitel bezeichnet er Steinbrück als Zombie. „Er ist gestorben, erledigt und fertiggemacht von der größten und unwiderstehlichsten Kraft, die es in seinem politischen Biotop gibt, von sich selbst.“


Aber Vorsicht: Wer ein Anhänger von kurzen, prägnanten Analysen ist, wird an dem Buch keine allzu große Freude haben. Minkmar ist Feuilletonist und Historiker durch und durch. Nicht selten zitiert er Psychologen, um etwa zu erklären, warum im Bundestagswahlkampf kaum brisante Themen angesprochen wurden. Ein Beispiel: Laut dem Amerikaner Daniel Kahnemann neige das menschliche Gehirn dazu, eine komplexe und tendenziell überfordernde Frage unbewusst durch eine wesentlich leichtere Frage zu ersetzen. Das nutzte die Union aus, so Minkmar. Die Zeiten sind kompliziert, da wollen die Deutschen ihrer politischen Führung vertrauen können. „Sie kennen mich“, war die Zauberformel von Merkel im TV-Duell, ein Duell, bei dem sich Steinbrück zum ersten Mal als Sieger fühlte.

(von Christina Bauermeister)

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