Das alles und noch viel mehr würden wir machen, wenn wir Kanzler von Deutschland wär‘n

Preis

14.99€

Verlag

Westend Verlag

Autor

Peter Zudeick

Magazin

Was hätte wohl Rio Reiser zu dem Titel gesagt? Sein legendäres Lied „König von Deutschland“ aus den 80er-Jahren dient als Inspiration für den Sammelband „Das alles und noch viel mehr würden wir machen, wenn wir Kanzler von Deutschland wär'n“. Herausgegeben hat ihn der Journalist Peter Zudeick, der für mehrere ARD-Rundfunkanstalten arbeitet und jeden Samstag auf WDR 5 einen satirischen Wochenrückblick gibt.


In seinem Buch beschreiben 14 Autoren, die überwiegend aus dem linken politischen Spektrum kommen, was sie täten, wenn sie an Angela Merkels Stelle wären. Neben Journalisten wie der „taz“-Chefredakteurin Ines Pohl und Wissenschaftlern wie dem Sozialforscher Christoph Butterwegge kommen auch aktive Politiker zu Wort. Beispielsweise der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Nešković, der bis Ende vergangenen Jahres der Linksfraktion angehörte und nun der einzige partei- und fraktionslose Abgeordnete im Parlament ist. Nešković spricht sich für eine Verfassungsänderung aus: In Artikel 76 GG soll das Initiativrecht der Bundesregierung für Gesetzesvorlagen gestrichen werden. Denn seiner Meinung nach sorgt die derzeitige Regelung dafür, dass die Macht der Gesetzgebung nicht bei den Parlamentariern liegt, sondern bei der Regierung. Nešković zeigt sich überzeugt davon, dass das Niveau der politischen Entscheidungsfindung steigen würde, wenn der einzelne Abgeordnete nicht so sehr dem Fraktionszwang unterstehen würde und mehr „Gewissensentscheidungen“ treffen könnte. Man darf dem guten Mann attestieren, dass er weiß, wovon er spricht.


Dies trifft auch auf Claudia Roth zu. Die Grünen-Chefin darf bei dem Buchtitel natürlich nicht fehlen, schließlich erinnert sie in fast jedem zweiten Interview daran, dass sie früher mal die Rio-Reiser-Band „Ton Steine Scherben“ managte. Was die Roth als Kanzlerin machen würde? Ihr großes Projekt ist eine Politik der Inklusion, eine multikulturelle Demokratie, in der niemand aufgrund seiner Hautfarbe oder seines Geschlechts diskriminiert wird.


So wie bei Roth und Nešković finden sich viele gute Ideen in dem Band. Nicht immer sind sie besonders originell, doch bedenkenswert auf jeden Fall. Rio Reiser hätte die Lektüre bestimmt gefallen.

 

von Felix Fischaleck

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