Angela Merkel – Die Kanzlerin und ihre Welt

Preis

19.99€

Verlag

Verlag Hoffmann und Campe

Autor

Stefan Kornelius

Magazin

Auch die „mächtigste Frau der Welt“ fing mal als Lehrling der Diplomatie an. Es war 1995 und Angela Merkel noch „Kohls Mädchen“. Die damalige Umweltministerin managte den Berliner Klimagipfel. Ein diplomatisches Event, das vor allem für Fachleute spannend ist. Es ging darum, die Staaten der Welt auf Zusagen zur Klimapolitik zu verpflichten. Heute ist dieser außenpolitische Marathon beim Kyoto-Protokoll angelangt. „160 Staaten, ich bin richtig aufgelebt“, äußerte sich die junge Politikerin damals.
Zwar schafft Merkel keinen Durchbruch, handelt aber einen überzeugenden Kompromiss aus. Erstmals wird ihr auf internationaler Bühne Respekt gezollt. So schildert es Stefan Kornelius in „Angela Merkel – die Kanzlerin und ihre Welt“. Eine steile These wie eine „Merkel-Doktrin“ der Außenpolitik gibt es in diesem Buch nicht. Der Leiter des Ressorts Außenpolitik bei der „Süddeutschen Zeitung“ entwirft stattdessen eine außenpolitische Biografie der Kanzlerin. Unter anderem erfährt der Leser, warum die DDR-Zeit Merkel nachhaltig anglophil prägte. Oder  weshalb der indische Premier Manmohan Singh zu Merkels Lieblings-Staatsmännern gehört.
Gezeigt wird die Entwicklung der internationalen Vita Merkels an den Polen deutscher Diplomatie.
Den Spannungsbogen bildet das Wirken der Kanzlerin in der Euro-Krise. Das Ganze ist elegant geschrieben und liest sich sehr flüssig. Der vermittelte Eindruck: Hier hat ein bestimmter Politikertyp mit der Außenpolitik sein perfektes Metier gefunden. Als „Post-Politikerin“ wird Merkel beschrieben. Das heißt, die Frau arbeitet zwischen Washington und Peking genauso wie zuhause – als Taktikerin. Es gibt kein Grand Design für Deutschlands Rolle in der Welt. Merkel hat das Selbstbewusstsein und den Anspruch, einzelne Problemstrukturen in der Außenpolitik so zu durchschauen, dass sie sich der Notwendigkeiten ihres Handelns sicher ist. Für Merkel formen diese Notwendigkeiten dann ein Bild, das man als „alternativlosen Musskonsens“ umschreiben könnte.


Fallstrick für Merkel


Außenpolitik wird als Arbeitsprogramm begriffen, das flexibel und ideologiefrei abgearbeitet werden muss, um am Ende Erfolg zu haben. So soll die Euro-Krise durch eine „Stabilitätsunion“ gelöst werden, durch Verträge zwischen den Nationalstaaten. Ein EU-Bundesstaat mit der Kommission als Regierung entfällt, da aus Merkels Sicht nicht umsetzbar – zu kompliziert und langwierig scheint ihr der Weg über Brüssel. Den Autor fasziniert sichtlich, ob Merkel über den ewigen Fallstrick deutscher Staatenlenker stolpern wird: die relative Hegemonie des „Solitärs“ in Europa zu verwalten. Deutschland ist zu schwach, um den Kontinent absolut zu dominieren, aber doch die relativ stärkste Macht in der EU. Die Euro-Krise lässt dieses Problem eskalieren. Kornelius traut Merkel zu, dass sie die Aufgabe meistert. Bei der Lektüre merkt der Leser – der Autor hat eine Menge Respekt vor der politischen Arbeit dieser Frau.
Eine Lobhudelei ist sein Werk aber nicht. So sieht Kornelius Merkels plakative Ablehnung des neuen französischen Präsidenten Hollande im Wahlkampf als vermeidbare Fehlentscheidung, die bis heute die Zusammenarbeit mit dem wichtigsten EU-Partner unnötig erschwert.


Krone oder Grabstein


Kornelius’ Fazit:  Merkel ist „ganz sicher die mächtigste außenpolitische Staatenlenkerin, die es je in der Bundesrepublik gab“. Ob die Kanzlerin in der Euro-Krise scheitert oder siegt, entscheidet über Grabstein oder Krone für ihre politische Karriere.
Kornelius deutet zum Schluss eine dritte Variante an, führt sie aber nicht  aus. Umschreiben lässt sie sich mit dem politischen Ende Winston Churchills. Als Premier steuerte er Großbritannien durch den Zweiten Weltkrieg und wurde dabei zum Polit-Star. Kaum war der Krieg 1945 vorbei, wählten ihn seine Landsleute ab. Churchills Nimbus als Steuermann in der Krise war mit eben jener verschwunden, das Volk war seiner überdrüssig.

von Björn Müller

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