E-Mobilität im Mehrfamilienhaus: Die Ladeinfrastruktur bleibt die Herausforderung
Die Zahl der Elektroautos in Deutschland wächst deutlich. Doch gerade im Mehrfamilienhaus bleibt der Aufbau der notwendigen Ladeinfrastruktur eine Herausforderung. Über Kosten, Nachfrage und mögliche Lösungen diskutierten Vertreter aus Wohnungswirtschaft, Energiewirtschaft und E-Mobilität bei der zweiten Ausgabe von „ista Impulse – Switch to Smart“ in Berlin.
Die Ausgangslage: In den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden 515.545 E-Autos neu zugelassen – 53 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dennoch liegt Deutschland beim Anteil der Elektroautos an den Neuzulassungen hinter europäischen Spitzenreitern wie Norwegen oder Dänemark.
Warum kommt insbesondere die Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern nur langsam voran? Dagmar Fehler, CEO der NOW GmbH, berichtete von einer grundsätzlich positiven Resonanz bei Wohnungseigentümergemeinschaften. Große Wohnungsunternehmen seien dagegen noch zurückhaltend. Gründe seien unter anderem die bislang begrenzte Nachfrage von Mietern und die hohen Investitionskosten.
Wie relevant diese Kosten sind, machte Ulrich Jursch, Geschäftsführer der degewo NetzWerk GmbH, deutlich: Für Vorverkabelung, Zählerinstallation und Lastmanagement könnten im Mehrfamilienhaus zwischen 2.000 und 7.000 Euro pro Stellplatz anfallen. Für Wohnungsunternehmen seien solche Investitionen schwer zu refinanzieren – insbesondere vor dem Hintergrund des Ziels, bezahlbare Mieten zu sichern.
Christoph Klinck, Geschäftsführer der ista Chargemaker GmbH, plädierte deshalb für flexiblere Lösungen. Sharing-Modelle und neue technische Konzepte könnten dazu beitragen, Investitionen effizienter zu gestalten und Kosten zu reduzieren.
Oliver Schlodder, CSO der ista SE, sieht zugleich eine wachsende Akzeptanz der Elektromobilität. Grundsätzliche Vorbehalte gegenüber dem E-Auto hätten deutlich abgenommen. Vermieter müssten sich deshalb zunehmend darauf einstellen, dass auch Bewohner von Mehrfamilienhäusern Ladepunkte nachfragen.
Einen Blick auf die Akzeptanz neuer Technologien warf Michael Bültmann, Geschäftsführer ABB E-Mobility Deutschland. Seine Erfahrung: Widerstände gegenüber neuen Technologien nähmen häufig ab, sobald Menschen sie selbst ausprobierten. Das gelte auch für den Wechsel vom Verbrenner zum Elektroauto.
Mehr als 40 Gäste diskutierten im ista Showroom Berlin über die Zukunft der E-Mobilität im Mehrfamilienhaus. Im November folgt die dritte Ausgabe von „ista Impulse – Switch to Smart“ zum Thema Wasserresilienz.