Wer Philipp Amthor in der zweiten Staffel der ZDF-Doku „Inside CDU“ durchs Kanzleramt folgt, bekommt Ton zum Bild. Im Bild trägt Amthor einen Anzug mit Einstecktuch, während er an den Porträts früherer Kanzler vorbeiflaniert. Als Ton haben die Filmemacher Steffen Haug und Denise Jacobs Barockmusik von Jean-Baptiste Lully daruntergelegt, dem Hofkomponisten des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Das ist fies, aber noch nicht alles.
Die Doku blickt hinter verschlossene Türen. Mit dem Amthor-Soundtrack zitiert sie aber eine Epoche, in der Staatstheoretiker wie Giovanni Botero zur Geheimhaltung rieten. Fällten die Fürsten Entscheidungen hinter geschlossenen Türen, umwehte ihre Ratschlüsse eine göttliche Aura, fand der Piemontese.
Zum Glück leben wir nicht im Fürstenstaat. Wer in einer Demokratie Macht ausübt, sollte sich beim Arbeiten zusehen lassen können. Genau das wollte die CDU mit der neuen Staffel: sich öffnen, nahbar zeigen – stattdessen wird seit Tagen über Amthors Büro-Strandkorb gestritten.
„Du setzt selber die Grenzen“
Pikant ist, dass ausgerechnet Amthor das Risiko früh ahnte. 2021 lief er in der NDR-Doku über Kevin Kühnert dessen Kamerateam über den Weg. Auch ihm lägen solche Anfragen vor, er sei aber „immer noch hin- und hergerissen“. Wie es denn sei, „verkabelt rumzulaufen“? Kühnerts Antwort: „Du setzt selber die Grenzen.“
Kühnerts Grenze verlief zwischen Politik und Privatem. Und er war drei Jahre lang Protagonist seiner Geschichte. „Inside CDU“ erzählt eine Partei mit vielen Figuren. Wer darin vorkommt, wird zwangsläufig auf eine Rolle verdichtet.
„Wer darin vorkommt, wird zwangsläufig auf eine Rolle verdichtet.“
Amthors Rolle sieht so aus: Dienstwagen, Büro mit Balkon, Strandkorb und Dreiteiler. Viele lasen das als abgehoben. Im April widmete ihm Markus Feldenkirchen eine ganze Folge „Konfrontation“. Dort sprach Amthor ausführlich über die Augustus-Intelligence-Affäre: Er habe damals den „völlig falschen Kompass“ gehabt. Das Format entscheidet also, wie flach eine Figur wirkt und wie viele Seiten sie zeigen darf.
Die Tür offenhalten
Parteien sollten ihre Tür offenhalten, aber zwei Dinge bedenken. Erstens: Wer eine Kamera auf eine erwartbare Talfahrt mitnimmt, bekommt keinen Imagefilm. Dass die CDU beim Dreh der Staffel vor schwierigen Landtagswahlen stand, wusste jeder dort. Zweitens: An der eigenen Rolle schreibt jedes Accessoire mit, das man in die Kamera hält.
Botero hielt die Tür seiner Fürsten geschlossen. Ein Demokrat lässt sie offen. Aber bevor die Kamera läuft, sollte er wissen, welche Rolle er spielen will – und sein Büro aufräumen. Das tun wir schließlich alle, wenn Besuch kommt.