Uwe-Karsten Heye war ein besonderer Mann. Und wie einige Mitglieder seiner Kommunikatoren-Zunft war er vom Wesen eher verschlossen als offen.
Ein Lautsprecher war Uwe-Karsten Heye sowieso nicht. „Ich bin sein Beleuchter“, sagte er gelegentlich über seine Rolle als langjähriger Sprecher Gerhard Schröders, wissend um den Alleinvertretungsanspruch, den Schröder hatte, wenn es um die öffentliche Wahrnehmung seiner Person ging. Doch Uwe-Karsten (oder „Karsten-Uwe“ wie Schröder ihn gelegentlich nannte) war natürlich viel mehr als das.
Mit sonorer Stimme und klarer Kenntnis der ungeschriebenen Gesetze der damaligen Bonner Republik, hatte er großen Anteil daran, Schröder als neu gewählten Ministerpräsidenten von Niedersachsen ab 1990 stärker bei der Bonner Journalisten-Zunft (und es war eine Zunft!) zu verankern.
Als junger BILD Reporter, der Gerhard Schröder mit seiner faszinierenden „from rags to riches“-Biografie für sein Blatt entdeckt hatte, habe ich erstmals mit ihm zu tun gehabt. Zum damaligen professionellen Austausch zählte auch das Autorisieren von Interviews mit Schröder.
Für eine launige Geschichte hatte ich mal – neben weiteren Formulierungen – Schröders Worte „am Wochenende habe ich säckeweise Laub gekehrt“ an die Staatskanzlei in Hannover geschickt. Heye machte daraus „säckeweise Laub beseitigt“.
Das hat mich beeindruckt, denn Schröder kehrte nicht einfach Laub – er „beseitigte“ es gleich. Mit dem Wechsel nur eines Verbes änderte sich der gesamte Kontext.
Dieses kleine Beispiel macht auch die Genauigkeit und Liebe zur Sprache klar, die Uwe-Karsten Heye immer hatte. Als wir dann zur gleichen Zeit im Bundespresseamt arbeiteten, ich zunächst vier Jahre als sein Stellvertreter, gab er mir den für mich wichtigsten Rat – und das zum Glück gleich zu Beginn meiner Regierungssprecher-Arbeit: „Béla, alles, was wir tun, ist öffentlich.“
Sein neues Amt als Generalkonsul in New York nahm er an mit Freude und dem herausgehobenen Ziel, das Verhältnis zu jüdischen Organisationen weiter zu verbessern, zu denen wir im Rahmen der von der Regierung Schröder / Fischer umgesetzten Regelung von Ansprüchen ehemaliger jüdischer Zwangsarbeiter und deren Nachkommen eine gute Basis gefunden hatten.
Und er gründete den Verein „Gesicht Zeigen“!, der bis heute maßgeblich dazu beiträgt, demokratische Strukturen zu stärken und sich rechtem Hass und rechter Hetze kraftvoll entgegenzustellen.
Ein besonders schönes Foto zeigt Uwe-Karsten Heye mit blondem vollen Schopf in jungen Jahren am Nebentisch eines wehmütig in die Ferne blickenden, die Mandoline zupfenden Willy Brandt. Brandt, dem Heye einst als Parteisprecher diente, war für Uwe-Karsten Heye eine ebenso wichtige Identifikationsfigur.
Das Foto entstand vor fast genau 50 Jahren, am 17. Juli 1976 auf der Terrasse des Restaurants „Forstfrieden“ bei Detmold.
Wer dran glaubt, ich tue es, kann sich trösten im Gedanken, das beide nun wieder vereint sind.