Abgeordnete fehlen besonders häufig an Freitagen

Hoch die Hände, Wochenende?

Wir alle kennen die typischen Behörenwitze: Freitag um eins macht jeder seins. Auch im Deutschen Bundestag scheinen viele Abgeordnete gerne etwas früher ins Wochenende zu gehen – oder sie werden freitags einfach besonders oft krank. Bei den bislang 13 Freitagssitzungen fehlten jede Woche im Schnitt 41 Abgeordnete. Donnerstags waren es im Mittel nur 29, mittwochs 25 und dienstags 21. Der Montag ist in der Regel sitzungsfrei.

48 Sitzungen hat der neugewählte Bundestag seit der ersten Sitzung am 25. März abgehalten. Bis zum 5. Dezember sammelten die Abgeordneten insgesamt 1424 Fehltage, die nicht unter den Mutterschutz oder parlamentarische Reisen fallen. Das ergab unsere Auswertung der Plenarprotokolle.

Insgesamt erscheinen besonders Politiker der Linksfraktion seltener die anderen im Parlament als die anderen. Pro Sitzung liegt ihre Fehlquote (Fehltage im Verhältnis zur Fraktionsgröße) im Schnitt bei 9,2 Prozent. Die Grünen folgen mit 5,8 Prozent, die AfD mit 5,7 Prozent.

Die Opposition fehlt häufiger

Disziplinierter zeigen sich die Regierungsfraktionen. Die SPD kommt auf eine Fehlquote von 3,1 Prozent und die Union auf 2,8 Prozent.

Männer fehlten im Schnitt 2,1 Tage, Frauen 2,3 Tage: 11 Prozent häufiger. Sind Frauen also öfter krank oder machen blau?

Nicht unbedingt. Möglich ist auch, dass Männer häufiger unentschuldigt fehlen und fürs Schwänzen auf Geld verzichten, aber dafür nicht im Sitzungsprotokoll landen. Die Abgeordneten haben die Pflicht, an Parlamentssitzungen teilzunehmen und sich dafür in den Anwesenheitslisten einzutragen. Tun sie es nicht, sollen sie sich beim Bundestagspräsidium abmelden. Dafür wird ihnen die steuerfreie Kostenpauschale (monatlich rund 5.350 Euro) gekürzt.

Härtere Strafen fürs Fehlen

Das reicht offenbar aber nicht. Der Bundestag hat hier ein Problem erkannt und die Geschäftsordnung geändert – mit deutlich verschärften Strafen fürs Nichterscheinen: Seit dem 1. November beträgt die Kürzung 300 Euro (vorher: 200 Euro) bei unentschuldigter Nichteintragung, 200 Euro bei entschuldigter Nichteintragung (vorher: 100 Euro) und unverändert 20 Euro bei Krankenhausaufenthalt oder Arbeitsunfähigkeit.

Die genauen Fehlgründe gehen aus den Daten nicht hervor. Die „Bild“-Zeitung hat auf Basis der p&k-Daten nachgefragt. Der Linken-Abgeordnete Marcel Bauer (33) etwa führte für seine 17 Fehltage auch seine Vaterrolle an: „Als Feminist ist es für mich selbstverständlich, dass meine politische Arbeit sowohl mit meiner Rolle als Vater, als auch mit dem Beruf meiner Ehefrau vereinbar sein muss.“ Die Linksfraktion verwies auf Krankheiten.

Am häufigsten abwesend war Sieghard Knodel (64). Der fraktionslose Politiker (Ex-AfD) fehlte an 33 Tagen – mehr als zwei Drittel aller Sitzungen. Auf „Bild“-Anfrage reagierte er nicht.