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Screenshot: ARD
Mimik-Check

Zementierte Freude

Hamburg hat gewählt. Die ersten Reaktionen auf den Wahlausgang sind für einen Mimik-Check am zuverlässigsten. Was lässt sich aus der Mimik von Olaf Scholz, Dietrich Wersich und Katja Suding ablesen?

von Dirk W. Eilert

Hamburg hat gewählt. Die SPD ist der Gewinner der Bürgerschaftswahl, die CDU mit sechs Prozentpunkten Stimmenverlust der absolute Verlierer. Für einen Mimik-Check sind die ersten und spontanen Reaktionen auf die Hochrechnungen am zuverlässigsten, weil dort die Emotionen noch frisch sind. Was hat die Mimik der Beteiligten also verraten?

Olaf Scholz – das Pokerface der SPD

Beginnen wir mit dem Gewinner des gestrigen Abends: Olaf Scholz. Er ist grundsätzlich jemand, der wenig bis gar keine Bewegung in der Mimik zeigt. Doch gestern Abend war ihm die Freude sichtlich ins Gesicht zementiert. Er strahlte über beide Ohren – zumindest in der direkten Reaktion, nachdem die ersten Prognosen verkündet wurden. In einem Interview mit der ARD gegen 22 Uhr sah es schon wieder anders aus. Da zeigte er das gewohnt unbewegte Pokerface. In den ersten Statements von Scholz war aber nicht nur dessen Freude zu erkennen, er wirkte auch sehr selbstsicher: Er legte immer wieder den Kopf leicht in den Nacken. Bei dem Wahlergebnis der SPD knapp an der absoluten Mehrheit verwundert das auch nicht.

In einem Interview mit dem ZDF hat sich Scholz auch zu einer möglichen Koalition mit den Grünen geäußert: "Wir haben gesagt vor der Wahl, weil das notwendig ist, so etwas vor Wahlen zu sagen, dass wir – falls es nicht alleine reicht – die Grünen fragen und zuerst mit denen verhandeln. Und ich habe keinen Zweifel, dass das im Ergebnis auch gelingen wird." Bei dieser Aussage lächelt er leicht und – das ist das Wesentliche – seine Augen lachen dabei mit. Dies wird verursacht durch eine Anspannung des äußeren Augenringmuskels, der nur von wenigen Menschen bewusst gesteuert werden kann. Deshalb handelt es sich dabei um ein zuverlässiges Zeichen für Freude hier im Sinne von Zuversicht. Was dann die Sondierungsgespräche ergeben, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Dietrich Wersich – die Niederlage der CDU

CDU-Spitzenkandidat Dietrich Wersich sah sichtlich mitgenommen aus. Es war ihm anzusehen, wie sehr ihm das Ergebnis zugesetzt haben muss: Die Haut und die Augen waren leicht gerötet, der mittlere Anteil des Stirnmuskels die ganze Zeit unter Spannung – erkennbar daran, dass die Innenseiten seiner Augenbrauen hochgezogen waren. Das sind alles Hinweise auf Trauer. Dabei handelt es sich übrigens um die universelle Mimik, die nach einer Niederlage zu sehen ist. Nicht nur in der Politik, sondern zum Beispiel auch im Sport. Diesen Gesichtsausdruck, also das Hochziehen der Augenbrauen-Innenseiten, haben zum Beispiel am Samstag auch die Fußballer vom HSV nach der bitteren 0:8-Niederlage gegen den FC Bayern München gezeigt.

Was ist Katja Sudings Erfolgsgeheimnis?

Die FDP rückt mit knapp sieben Prozent in die Bürgerschaft ein. Ein Ruck der Erleichterung ging bei der Verkündung der Hochrechnungen durch die liberale Partei. Bei Spitzenkandidatin Katja Suding war eine Mischung aus verlegener Bescheidenheit und dennoch selbstbewusstem Auftreten zu beobachten. Als sie nach der Bekanntgabe der ersten Zahlen vor den FDP-Anhängern sprach, bekam sie zu Beginn Standing Ovations. Dabei hat sie immer wieder die Schultern hochgezogen und verlegen gelächelt, d. h. sie hat dabei den Kopf leicht zur Seite und nach unten geneigt. Dies sind typische Signale für Verlegenheit. Hier liegt vielleicht auch eines ihrer Erfolgsgeheimnisse. Studien haben gezeigt, dass dieser Gesichtsausdruck – Lächeln mit leicht zur Seite geneigtem Kopf – besonders sympathisch wirkt.

Dass sie auch anders kann, war dann in einem ARD-Interview zu sehen. Dort sagte sie: "Für uns geht es darum, das Beste für Hamburg zu erreichen. Und ich glaube, dass unter Rot-Grün die wichtigen Projekte, die Chancen für Hamburg nicht so genutzt werden könnten – was die Olympia-Bewerbung angeht, was die Fahrrinnen-Anpassung angeht, was auch die Verkehrssituation angeht. Ich glaube, da wäre eine Koalition mit der FDP deutlich besser." Von Verlegenheit ist bei dieser Aussage keine Spur mehr. Im Gegenteil: Katja Suding wirkt sehr souverän und bestimmt, die Augenbrauen leicht zusammengezogen und die unteren Augenlider angespannt. Den Kopf legt sie dabei leicht in den Nacken, so wie Olaf Scholz in seinem ersten Statement. Das unterstreicht die Selbstsicherheit.