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Foto: Laurin Schmid / Montage: Janice Arpert

Wer schafft es ins Europaparlament, Herr Hilmer?

Seit dem Wegfall der Drei-Prozent-Hürde hoffen viele kleine Parteien auf einen oder mehrere Sitze im Europäischen Parlament. Wer hat gute Chancen, wer hofft vergebens? Das fragte p&k den Geschäftsführer von Infratest ­dimap, Richard Hilmer.

Interview: Christina Bauermeister

p&k: Wie viele Stimmen braucht eine Partei, um im nächsten Europäischen Parlament vertreten zu sein?

Richard Hilmer: Das hängt natürlich von der Wahlbeteiligung ab. Ausgehend vom Wahlergebnis 2009 hätten knapp 135.000 Stimmen gereicht, um ein Mandat im Europäischen Parlament zu bekommen. Das waren damals 0,5 Prozent der Stimmen.

Wird die Wahlbeteiligung dieses Mal eher steigen oder fallen? 2009 lag sie bei 43,3 Prozent.

Es bestehen gute Chancen, dass die Wahlbeteiligung zumindest konstant bleibt oder sogar leicht ansteigt. Die Relevanz der Wahlen ist durch die Eurokrise, die Aufmerksamkeit durch die erstmals antretenden europäischen Spitzenkandidaten gestiegen. Hinzu kommt, dass diesmal in zehn Bundesländern (2009: 7) zeitgleich Kommunalwahlen stattfinden, darunter – anders als 2009 – auch im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen. Erfahrungsgemäß liegt die Beteiligung in Ländern mit gleichzeitig stattfindender Kommunalwahl um zehn bis fünfzehn Prozentpunkte höher als in Ländern ohne Kommunalwahl.

Wie schwierig ist es für Meinungsforschungsinstitute wie Infratest dimap einzuschätzen, welche der kleinen Parteien ins EP einziehen?

Sehr schwierig. Es gelingt uns noch ganz gut für Parteien, die um oder über drei Prozent liegen, wie die AfD, die FDP und die Piraten. Bei Kleinstparteien mit einem Anteil von zwei Prozent und darunter kann das Ergebnis bei einer Stichprobe von 1500 Teilnehmern nicht mehr seriös vorausgesagt werden. Wir werden kurz vor der Wahl nach Wegen suchen, um die Aussagekraft der Daten auch für diese Parteien zu verbessern.

 

Richard Hilmer

Jahrgang 1952, studierte in den siebziger Jahren Soziologie, Psychologie und Wirtschaftsgeschichte in München. Hilmer begann seine Karriere 1982 als Projektleiter bei Infratest Burke, das seit 1997 als Infratest dimap firmiert. Hilmer wird in der Branche auch öffentlich-rechtlicher Volksvermesser genannt.