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Politik

Was macht moderne Führung aus?

Wie sollte zeitgemäßes Leadership aussehen? Wir haben Roland Wöller, Claudia Dalbert, Johannes Beermann, Georg Kleemann, Beate Rudolf und Yasmin Mei-Yee Weiß nach ihrem Führungsverständnis gefragt.

Redaktion

Roland Wöller, Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft BVMV:


Foto: Steffen Höft

"Moderne Führung ist gute Führung. Menschen und Mittel müssen auf ein gemeinsames Ziel hinwirken. Mitarbeiter haben Anspruch auf Begründungen und klare Vorgaben statt knapper Anweisungen und 'Basta'-Rhetorik. 'Führen mit Auftrag' wird dem in besonderer Weise gerecht: Dem Mitarbeiter wird ein klares Ziel gesetzt, den Weg bestimmt er im Rahmen der Ressourcen selbst. So werden Ideen angeregt, Motivation geweckt und Handlungsspielräume genutzt. Und: Ohne Vertrauen geht es nicht. Der Mikromanager, der alles und jeden kontrollieren will, erstickt jede Initiative."

 

Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen‑Anhalt:


Foto: Rainer Kurzeder

"Vom persönlichen Führungsstil hängt die gesamte Stimmung im Haus ab. Für ein erfolgreiches gemeinsames Arbeiten sind transparente Entscheidungswege, eine offene Kommunikation und eine klare politische Haltung wichtig. So können konkrete Schritte vorausschauend angegangen werden. Moderne Führung bedeutet vor allem Zuhören und gemeinsam nach Lösungen suchen. Die großen politischen Linien bestimmt aber letztendlich die Führung."

 

Johannes Beermann, Mitglied im Vorstand der Deutschen Bundesbank:


Foto: Frank Rumpenhorst

"Wesentliches Element angesichts der demografischen Entwicklung ist die Motivation aller Generationen. Gute Führungskräfte gehen dabei auf unterschiedliche Erwartungen jüngerer und erfahrener Beschäftigter durch Austausch und wechselseitiges Feedback ein. So gelingt Motivation durch Wertschätzung, Potenzialentwicklung und Verantwortung ebenso wie durch Vorbildfunktion und notwendige Zielvorgaben."

 

Georg Kleemann, Stellvertretender Direktor des Bundesrats:


Foto: Bundesrat

"Informieren, Ziele setzen, Feedback geben – dieser Dreiklang zeichnet moderne Führung aus. Die Anerkennung und Wertschätzung guter Leistung hat dabei eine besondere Bedeutung. Führungskräfte im öffentlichen Dienst stehen im Vergleich mit der Privatwirtschaft aufgrund der strukturellen Rahmenbedingungen vor besonderen Herausforderungen. Doch vieles ist in Bewegung: Die Verwaltungsmodernisierung stellt traditionelle Führungsstile auf den Prüfstand. Handlungsspielräume müssen aber auch kreativ genutzt werden."

 

Beate Rudolf, Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte:


Foto: DIMR/S. Pietschmann

"Gute Führung orientiert sich an den Menschenrechten, denn diese ermöglichen es, dass jeder Mensch seine Potenziale ausschöpft. Menschenrechte stehen für Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, Diskriminierungsfreiheit und gleichberechtigte Teilhabe. Mitarbeitende erwarten deshalb heute zu Recht, dass ihre Potenziale gefördert und ihre Rechte geachtet werden. Solche mitarbeiterorientierte Führung fördert Motivation, Teamgeist und Eigenverantwortung. Die Empowerment-Orientierung in der Führung wird an Bedeutung zunehmen."

 

Yasmin Mei-Yee Weiß, Professorin an der Technischen Hochschule Nürnberg und Mitglied im Außenwirtschaftsbeirat sowie dem Innovationssteuerkreis der Bundesregierung:


Foto: BLENDE11 FOTOGRAFEN

"Die Fähigkeit, zuzuhören und nahbar zu sein, ist erfolgskritisch für Führung im digitalen Zeitalter. Denn gerade angesichts der hohen Komplexität und Dynamik unserer heutigen Zeit und der weiter steigenden Bedeutung von Technologie in allen Lebensbereichen müssen Führungskräfte auf das Wissen, die Erfahrungen, Einschätzungen und Innovationskraft anderer zurückgreifen können."