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Mundwinkel angehoben, die Augen lachen subtil mit – ein Zeichen für Freude bei Dietmar Woidke. Screenshot: RBB
Brandenburg

Reaktionen am Wahlabend im Mimik-Check

Brandenburg hat einen neuen Landtag gewählt. Mimik-Experte Dirk W. Eilert analysiert für p&k die nonverbalen Reaktionen vom Wahlabend.

von Dirk W. Eilert

Brandenburg hat am Sonntag einen neuen Landtag gewählt. Die ersten Stellungnahmen nach einer Wahl ähneln sich meist: Jeder fühlt sich als Gewinner. Was ging in den Spitzenpolitikern wirklich vor? Mimik und Körpersprache haben es verraten.

Besonders aufschlussreich für eine nonverbale Analyse sind die spontanen Reaktionen unmittelbar bei Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen. Denn in diesem Moment sind die Emotionen am stärksten. Da unsere mimische Muskulatur direkt mit unserem Emotionszentrum, dem limbischen System, verdrahtet ist, lässt sie sich ohnehin nicht gänzlich kontrollieren. Und je stärker die Emotionen sind, desto schwieriger wird es, die Mimik überhaupt bewusst noch zu steuern.

Beginnen wir die Analyse mit dem Gewinner des Abends: Dietmar Woidke. Der amtierende SPD-Ministerpräsident hat für seine Partei nahezu das gleiche Ergebnis wie Vorgänger Matthias Platzeck erzielt. Bei seinen ersten Worten war er sichtlich ergriffen. Als er sagte, "Ich freue mich, ich freue mich sehr über das Ergebnis", zeigte er in seiner Mimik den Ausdruck echter Freude, der nur von wenigen Menschen imitiert werden kann: Die Mundwinkel sind angehoben und der äußere Augenringmuskel ist angespannt. Das zuverlässige und sichere Signal für Freude ist hier das Lachen der Augen – erkennbar an der Aktivität des Augenringmuskels.

Aufschlussreiche Wiederholungen

Zwei andere Signale haben gezeigt, wie ergriffen und erleichtert Woidke über das Ergebnis war. Zum Beispiel wiederholte er die Worte "Ich freue mich" mehrmals. Wortwiederholungen weisen auf einen erhöhten Stresspegel hin. Und der tritt eben auch auf, wenn wir uns sehr freuen, weil eine Last von uns abfällt. Darüber hinaus schüttelte Woidke unablässig den Kopf beim Sprechen. Dies ist normalerweise ein Widerspruch zu dem, was jemand inhaltlich sagt. Wenn es allerdings passiert, während jemand echte Freude zeigt, ist es ein Zeichen dafür, dass die Person mit dem Ereignis nicht gerechnet hat. Das Wahlergebnis übertraf also anscheinend Woidkes Erwartungen.

Der eigentliche Gewinner der Landtagswahl war die AfD. Aus dem Stand erreichte die Partei 12,2 Prozent. Als die Kamera die Gesichter der Mitglieder auf der AfD-Wahlparty im Moment der Hochrechnung zeigte, war viel kämpferische Freude zu sehen. Das ist die gleiche Mimik, die typischerweise Sportler im Moment eines Sieges zeigen. Zum Beispiel auch Fußballspieler nach einem Tor. Typisch dafür ist, dass auf der einen Seite Freude im Gesicht erkennbar ist, zusätzlich aber auch die Augenbrauen zusammengezogen werden oder die Nase gerümpft wird. Das passiert klassischerweise in Momenten hoher emotionaler Ladung, wenn sich viel Energie aufgestaut hat und sich dann in einem Moment der Zielerreichung entlädt.

Bei der AfD waren allerdings die Reaktion der anderen Parteien am spannendsten. Im RBB gab es eine Gesprächsrunde mit den Vertretern der Parteien nach den ersten Hochrechnungen. Was hier nonverbal ablief, war faszinierend: Als der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Hubertus Rybak zu Wort kam, kratzten sich sowohl Klaus Ness von der SPD als auch Ingo Senftleben von der CDU gleichzeitig im Gesicht. Das ist eine klassische Beruhigungsgeste und damit ein Hinweis darauf, dass der Stresspegel bei beiden anstieg. Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Margitta Mächtig, distanzierte sich sogar im wahrsten Sinne des Wortes von Rybak. Als er anfing zu sprechen, machte sie einen Schritt zurück.

Ein nonverbales Fundstück

Der große Verlierer der Wahl war wie erwartet die FDP. Die erste FDP-Reaktion nach der ersten Hochrechnung kam von Spitzenkandidat Andreas Büttner. Er sagte in einem RBB-Interview: "Meine persönliche Auffassung ist, dass Brandenburg eine liberale Politik braucht. Wir haben in den vergangenen fünf Jahren bewiesen, dass wir diese liberale Politik umgesetzt haben. Aber offensichtlich ist das eben bei den Brandenburgerinnen und Brandenburgern nicht angekommen. Und wir haben natürlich auch einen heftigen Gegenwind aus dem Bund gehabt." Dieses Statement war ein wahres nonverbales Fundstück: in 16 Sekunden zwei Mal Trauer und drei Mal Angst. Alle in Form sehr schneller Mikroexpressionen. Als Büttner zum Beispiel sagte, dass die Bemühungen der FDP bei den Bürgern nicht angekommen seien, zog er blitzschnell die Augenbrauen hoch und zusammen und riss dabei die Augen auf und die Lippen seitlich auseinander. Das ist der prototypische Ausdruck für Angst. Die Journalistin bemerkte, dass bei Büttner anscheinend noch Kampfeslust zu sehen sei. Dies kann ich nicht bestätigen. Seine Mimik hat etwas andere Hinweise gegeben: Betroffenheit über die derzeitige Situation und Sorge davor, wie es weitergeht.

Die Zukunft wird zeigen, wie es mit der FDP weitergeht. Dietmar Woidke hingegen hat die Qual der Wahl und hat sowohl der CDU als auch den Linken Sondierungsgespräche angeboten.