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International

Netzwerk mit Nutzwert

Angela Merkel, Eric Schmidt, Madeleine Albright: Wer es schafft, in ein internationales Programm aufgenommen zu werden, weiß sich in guter Gesellschaft. Doch wer nur auf große Namen schaut, verkennt das Potenzial von Netzwerken.

von Mirjam Stegherr

Es geht in vielen internationalen Netzwerken und Fellowship-­Programmen laut Selbstaussage um nichts Geringeres als darum, die Welt zu retten. "Improving the State of the World", nennt das Klaus Schwab, Gründer und Vorsitzender des Weltwirtschaftsforums in Genf. Schwab ist ein großer Netzwerker: Er hat eine Organisation gegründet, die die Weltelite zusammenbringt, Staats­chefs, CEOs, NGOs, Künstler. Und er hat Plattformen ins Leben gerufen, um neue Führungskräfte zu vernetzen: die Global Shapers und die Young Global Leaders (YGL).

Mit den Nachwuchsprogrammen will das Forum "Zukunft gestalten" beziehungsweise andere unterstützen, das zu zun. Und das Forum ist nicht alleine: Viele Organisationen suchen mit jungen Menschen neue Antworten auf zum Teil alte Fragen: Wie bekämpfen wir Terrorismus? Wie schützen wir uns vor Epidemien? Wie sichern wir Demokratie? Sie wollen Entscheider aus unterschiedlichen Kulturen zusammenbringen, die am Anfang ihrer Karriere stehen und die jenseits diplomatischer Wege an einer "besseren Welt" arbeiten.

Fellows für die ­Erneuerung

Dass man viele Herausforderungen nur international lösen kann, geben viele Organisationen an, die ein Fellowship betreiben. Auf 110 Nationen bringen es die bisher 980 YGL. Andere Programme sind fokussierter: Die transnationale Zusammenarbeit will der German Marshall Fund mit dem "Marshall Memorial Fellowship" stärken, gemeint sind Europa und die USA. Europa, Nordamerika und Asien vernetzt die Trilateral Commission, die neben etablierten Mitgliedern wie Madeleine Albright, Henry Kissinger und Mario Monti mit "David Rockefeller Fellows" Nachwuchs gewinnen will – wenn auch nur auf Zeit.

Ein David Rockefeller Fellow und YGL ist Katinka Barysch, Director Political Relations der Allianz. Die Trilateral Commission sei hilfreich, um zu "verstehen, was in der Politik wirklich los ist", sagt sie, die Einladung habe sich gut mit ihren "professionellen Bedürfnissen gedeckt". Politik, die für Deutschland unter anderen von Ex-Ministerin Edelgard Bulmahn und Heinz Riesenhuber, Alterspräsident des Deutschen Bundestags, vertreten wird. Beeindruckende Namen – doch Gesprächskreise alter Hasen sind für junge Fellows schnell langweilig. Barysch diplomatisch: "Es ist nichts dagegen zu sagen, ein Netzwerk zu machen, in dem man auch über das Ende seiner aktiven Karriere hinaus zusammenbleibt. Auch das hat seine Legitimation. Aber es kann auf Kosten der Relevanz gehen."

Die Programme für junge Führungskräfte sind anders: Sie sind zeitlich begrenzt, ob auf wenige Wochen oder Jahre. Die Erneuerung ist garantiert. "Jung" bedeutet meist zwischen 28 und 40 Jahre, die Grenzen verschwimmen. Der German Marshall Fund hat die Altersgrenze für sein Marshall Memorial Fellow­ship (MMF) von 35 auf 40 Jahre angehoben und diskutiert, ob sie weiter steigen soll. "Wenn der Altersunterschied zu groß ist, wirkt sich das auf die Gruppendynamik und die programmatische Arbeit aus", sagt Melanie Whittaker, im Berliner Büro des GMF für das Fellowship verantwortlich.

Bessere Welt durch ­bessere Leader

Die Teilnehmer können noch so divers sein und aus unterschiedlichen Ländern und Branchen kommen – beim Alter sind die Programme homogen. Auch ohne formale Altersgrenze sorgt die normative Kraft des Faktischen dafür, dass es eine Altersgruppe bleibt: Vielen Führungskräften fehlt die Zeit, mehrere Wochen am Stück zu verreisen und sich neben dem Job in Projekten zu engagieren.

Es gibt Fellows, die sich mit einem elitären Fellowship nur schmücken wollen und wenig Engagement zeigen, sich einzubringen. Einige Netzwerke dulden das, für die YGL gibt es zum Beispiel keine Präsenzpflicht. Die meisten Fellow­ships sind Arbeit und verbindlicher. Viele haben einen strikten Plan mit Calls, Meetings und Publikationen. Wer zum Beispiel ein Fellow des GMF oder der Robert Bosch Stiftung werden will, muss im Vorfeld eine Bestätigung abgeben, an den Bausteinen teilzunehmen. Wer fehlt, braucht eine schriftliche Entschuldigung. Die Welt rettet sich nicht von alleine – das muss man auch den "Leadern von morgen" mitgeben.

"We are the ones we have been wating for", begrüßt Kevin Cottrell die Fellows des MMF. Wenn Ihr wollt, dass sich etwas ändert, packt es an! Der Director Transatlantic Leader­ship Initiatives und sein Team suchen jedes Jahr 75 Leader in den USA und Europa, die mehr bewegen wollen als das, was in ihrem Alltag möglich ist. Wer es in Europa schafft, das dreistufige Bewerbungsverfahren zu überstehen, darf als MMF vier Wochen lang durch die USA reisen, Entscheider treffen, transatlantische Fragen diskutieren, sich einem Alumni-Netzwerk mit Staatssekretären und MdBs anschließen – und wird im Idealfall ein besserer Leader.

"Wir hoffen, dass wir Führungskräfte dazu anhalten können, alte Strukturen aufzubrechen und offen für neue Perspektiven zu sein", sagt Melanie Whittaker. Während des Fellowships geht es darum, etwas über Leadership zu lernen, Themen mit einem Blick über den Atlantik zu reflektieren und sich dabei mit interessanten Menschen zu vernetzen. Offiziell ist das Netzwerk nur sekundär – ohne eine Motivation, die Welt zu verändern, wird es schwer.

Assessment-Center für den Charakter

Wer aufgenommen werden möchte in eines der Programme, muss nachweisen, dass dass er die Gesellschaft ein Stückchen besser machen will und seinen Teil dazu beiträgt. Ein YGL muss in seiner Karriere "schon Mut bewiesen haben", sagt Katinka Barysch. "Man sucht diese Netzwerke nicht, die Netzwerke finden einen."

Es gehört ein wenig Glück dazu, zu der Elite von morgen zu gehören: Wer kein Überflieger ist, der allen präsent ist, braucht einen Kontakt zum Netzwerk, um reinzukommen. Die meis­ten Programme setzen auf Nominierung. Trotzdem erreichen den GMF jedes Jahr 650 Bewerbungen, aus denen er wählen muss. Um zu selektrieren, müssen die Bewerber nach der Nominierung Essays einreichen und in der Schlussrunde vor einem fünfköpfigen Komitee Rede und Antwort stehen. "Für uns ist wichtig, welche Werte die Kandidaten bewegen, was sie antreibt und begeistert", sagt Whittaker. "Letztlich geht es um den Charakter. Die Gespräche sind ein Charakter-Assessment für Leadership."

Der GMF versucht wie die meisten Organisationen, die Programme divers zusammenzusetzen, Menschen unterschiedlicher Herkunft, Profession und Glaubensrichtung. An der Frauenquote arbeiten einige erst noch. Etwas Prominenz schadet nicht, um für das eigene Programm zu werben. So wurde 2016 nicht nur Jens Spahn zum YGL ernannt, sondern auch Ashton Kutcher und Amal Clooney. Für die Programme dürfte deren Input gering sein, für die Organisation und Alumni ist es eine willkommene Aufwertung.

Die meisten Mitglieder stehen am Anfang ihrer Karriere. "Die YGL sind ein Netzwerk großartiger Menschen, die noch einen spannenden Weg vor sich haben", sagt Barysch. Den besten Rat, den sie je bekommen habe, sei, nicht auf Positionen zu achten, sondern auf Personen: "Wer smart ist, aber vielleicht nur eine einfache Beraterin, kann morgen schon die neue Ministerin sein."

Das Zusammengehörigkeitsgefühl sei entsprechend groß, es sei Platz für Spaß, "persönliche Bande und Freundschaften". Wie intensiv das Netzwerk ist und wie lange es hält, hängt stark davon ab, wie sich sehr sich ein Fellow einbringt. "Wie jemand ein Netzwerk nutzt, zeigt mir etwas über die Charaktereigenschaften eines Kandidaten", sagt Nils Richter, Executive Director bei der Personalfirma Page Executive. Gerade langjährige Fellow­ships seien vor dem Hintergrund des Netzwerkgedankens interessant, da sie für ein tragendes Netzwerk sprechen. Allerdings komme es darauf an, was jemand aus einem Fellow­ship macht, ob er sich engagiert und etwas in das Netzwerk einbringt. "Der Mensch ist entscheidend – nicht das, was auf dem Papier steht. Wer sich nur mit Namen schmücken will, ist ein Blender", so Richter.

Viele Fellows kündigen später ihren Job

Die Versuchung ist groß, sich nur zu schmücken, mit Namen wie David Cameron, Prinz Haakon, Marissa Mayer oder Angela Merkel – alles Young Global Leaders beziehungsweise ehemalige Mitglieder der Vorgängerorganisation Global Leaders of Tomorrow. Aktiv im Netzwerk engagiert sind nur 45 Prozent aller YGL-Alumni. Merkel und Cameron gehören nicht dazu. Den Alumni-Netzwerken fehlt es oft an Dynamik. Sich selbst finanziell zu beteiligen oder ehrenamtlich zu engagieren, ist in Europa wenig etabliert.

Um das Netzwerk zu stärken, lädt der GMF alle ehemaligen Fellows regelmäßig zu Seminaren ein, Kost und Logis trägt jeder selbst. Zudem können Alumni Projekte anstoßen und dafür Förderungen beantragen, einen Austausch über politische Propa­ganda mit Journalisten aus Kiew und Berlin zum Beispiel.

Wer im Job nicht den Raum hat, die Gesellschaft zu verändern, hat mit den Projekten ein Ventil für die neue Inspiration. Nicht wenige Fellows kündigen nach einem Austausch ihren Job und suchen mehr Gestaltungsspielraum. Gerade in Deutschland hätten sich Fellows nach dem Programm entschieden, sich Vollzeit politisch zu engagieren und ihren Job zu verändern, sagt Melanie Whittaker. Johannes Kahrs, Kerstin Griese, Tabea Rößner, Eva Högl – alles MMF, die erst nach dem Programm MdB wurden.

"The alumni network will enable us to stay connected and continue to support each other as we strive to improve the state of the world", wirbt Nicole Schwab, YGL, auf der Webseite des Alumni-Netzes. Da ist sie wieder, die Erinnerung, die Welt zu verbessern. Für die Idealisten im Netzwerk ist es eine Mission. Für andere ein schönes Motto für eine kleine Elite.

 

Zehn internationale Netzwerke

Georgetown ­Leadership Seminar

1982 von der Georgetown University ins Leben gerufenes Seminar, bei dem ausgewählte Führungskräfte einmal im Jahr für eine Woche mit Größen der Politik außenpolitische Themen diskutieren. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Madeleine Albright und Henry Kissinger. 900 Teilnehmer aus 100 Ländern haben das Seminar bisher besucht, im Alumni-Netzwerk tummeln sich CEOs, Staats- und Regierungschefs wie José Manuel Barroso oder Jens Stoltenberg. Teilnehmen kann nur, wer von einem Alumnus oder Mitarbeiter der Georgetown University vorgeschlagen wird und die Gebühr von 5.800 Euro plus Flug bezahlt.
 

Robert Bosch Stiftung: Global Governance ­Futures (GGF)

Unter dem Motto "Shape the Future" geht es darum, Zukunftsszenarien für zentrale Fragen zu entwickeln, die nur global gelöst werden können – wie beispielsweise Klimaschutz, die Verwaltung von Daten oder Terrorismusbekämpfung. Die Ergebnisse werden vor Experten präsentiert und publiziert. Das Programm dauert 18 Monate und besteht aus vier fünf- bis acht­tägigen "Dialogue Sessions", die in den Teilnehmerländern stattfinden, sowie onlinegestützter Zusammen­arbeit. Insgesamt 25 Fellows aus aktuell fünf Ländern werden gesucht: Deutschland, USA, China, Japan und Indien. Ob NGO, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Verwaltung oder Medien: Jeder, der Expertise in den benannten drei Schwerpunktthemen des Jahrgangs hat und ein ernsthaftes Interesse am internationalen Dialog nachweisen kann, kann das mehrstufige Verfahren durchlaufen. Eine offizielle Altersgrenze gibt es nicht. Das Programm wird finanziell von der Robert Bosch Stiftung getragen und zusammen mit dem Global Public Policy Institute Berlin durchgeführt. Weitere Partner sind: Brookings Institution, Tokyo Foundation, Centre for Policy Research, Hertie School of Governance, Tsinghua Universität, Fudan Universität, Keio Universität, Ashoka Universität sowie Princeton Universität.
 

German Marshall Fund: Marshall Memoral Fellowship

Seit 1982 ist das Marshall Memorial Fellowship (MMF) das Vorzeige-Programm des German Marshall Funds. Ziel des Programms ist es, die trans­atlantischen Beziehungen zu stärken. Dafür hatten zuerst nur europäische Führungskräfte die Chance, die USA zu bereisen und sich mit Entscheidern auszutasuchen. Mittlerweile bietet es den Austausch beidseitig an, um die transatlantischen Beziehungen zu stärken. Sechs Monate lang können sich die Fellows in "Briefing Calls" mit Experten zu transatlantischen Fragestellungen austauschen. Im Anschluss findet eine 24-tägige Reise durch die USA beziehungsweise für Amerikaner durch Europa statt. Beide Gruppen treffen sich am Anfang in Washington und arbeiten gemeinsam unter anderem mit Krisenszenarien. Teilnehmen können Führungskräfte zwischen 28 und 40 Jahren, die in der Mitte ihrer Karriere stehen. Der Ansatz ist wie in allen Programmen interdisziplinär: Politik, Wirtschaft und Medien sollen sich austauschen und vernetzen. Jedes Jahr werden 75 Fellows ernannt, die Hälfte reist im Herbst, die andere im Frühjahr. Bewerben darf sich nur, wer von MMF-Alumni oder "anerkannten Führungspersönlichkeiten" nominiert wurde. Das Verfahren ist dreistufig: Nach einem Bewerbungsschreiben und Lebenslauf müssen die zugelassenen Kandidaten mehrere Fragen zu Führung und Werten schriftlich beantworten sowie Empfehlungsschreiben einreichen. Am Ende gilt es, ein fünfköpfiges Auswahlkomitee zu überzeugen. Pro Jahr gibt es etwa 650 Bewerbungen auf 75 Plätze. Deutschland hat fünf Plätze sicher. Im Alumni-Netzwerk sind mehr als 2.500 Mitglieder. Die Vernetzung nach dem Fellowship wird jenseits persönlicher Bande hochgehalten, indem Alumni zu Events und Seminaren eingeladen werden und Projekte ins Leben rufen können, die der GMF mit bis zu 5.000 Euro bezuschusst. Zu den Alumni in Deutschland gehören zahlreiche MdB, Bundesminister Gerd Müller, die Staatssekretäre Thorben Albrecht und Gerd Billen sowie "FAZ"-Journalist Mathias Müller von Blumencron.
 

Global Bridges Young Leaders Program

Von Alumni der Atlantik-Brücke gegründetes Forum, das im Rahmen des Leadership-Programms Konferenzen für Nachwuchsführungskräfte zur Vernetzung von Europa, Amerika und Asien anbietet.
 

Zeit-Stiftung: Bucerius Summer School on Global ­Governance

2001 vom "Zeit"-Herausgeber Theo Sommer ins Leben gerufenes Seminar für jährlich rund 60 Teilnehmer aus aller Welt. Die zweiwöchige Summer School soll eine Plattform sein für die Führungskräfte von morgen, die mit renommierten Sprechern globale Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze diskutieren. Wer teilnehmen will, muss zwischen 28 und 35 Jahre alt sein, vorgeschlagen werden und ein Bewerbungsverfahren durchlaufen. Die Kosten für Anreise, Unterkunft, Programm und Verpflegung trägt die "Zeit"-Stiftung. Alumni können "Governance Talks" in ihrer Region anregen, wer teilnehmen will, muss seine Reise selbst bezahlen.
 

Atlantic Council: Millennium ­Fellowship

Als Nachfolger der "Young Atlantics" 2015 gestartet, richtet es sich an Führungs­kräfte, "die das 21. Jahrhundert gestalten werden". Zwei Jahre lang können sich die etwa 20 Fellows vernetzen und fortbilden, weltweit Master Class Sessions und Veranstaltungen des Councils besuchen und mit Persönlichkeiten wie bisher Joe Biden, Ban Ki-moon oder Recep Tayyip Erdoğan austauschen. Am Ende soll eine konkrete Zusammenarbeit entstehen – und ein lebenslanges Netzwerk, organisiert in der "Millennium Leaders Society". Die Gesamtkosten für beide Jahre werden mit 4.500 Euro angegeben, im ersten Jahr deckt eine Gebühr von 400 bis 850 Euro alle Ausgaben. Bei Bedarf kann eine finanzielle Unterstützung beantragt werden. Bewerben kann sich jeder bis 35 Jahre.
 

World Economic Forum: Young Global Leaders

DIe YGL sind eine an das Weltwirtschaftsforum angedockte Stiftung. Sie wurde 2004 gegründet, das Vorläuferformat hieß "Global Leaders of Tomorrow". Im Stiftungsrat sitzen neben dem Gründer des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, unter anderen Königin Rania von Jordanien, Prinz Haakon von Norwegen und Yahoo-Chefin Marissa Mayer. Ziel ist, herausragende Nachwuchskräfte aus allen Branchen und Ländern zusammenzubringen, um – dem Motto des Weltwirtschaftsforums folgend – "den Status der Welt zu verbessern". Jedes Jahr werden 100 YGL benannt, die bisherige Anzahl lag oft darüber. Eine YGL-Klasse dauert fünf Jahre. In dieser Zeit gibt es Bildungsmodule mit Elite-Universitäten, eine eigene Jahreskonferenz und Ausflüge. Auch bei den Jahrestreffen in Davos und in den Regionen sind die YGL vertreten. Am Rande der großen Konferenzen haben sie eigene Formate. Die Teilnahme ist nicht verpflichtend, aber erwünscht. Die Konferenzen sind gratis, allerdings tragen YGL alle persönlichen Kosten selbst. Seit 2014 bezahlen sie auch eine Mitgliedsgebühr, abhängig vom Einkommen und der Organisation zwischen Null (Regierung) und 50.000 Schweizer Franken im Jahr (Unternehmen). Um aufgenommen zu werden, muss man nachweisen, dass man einen gesellschaftlichen Nutzen gestiftet hat, darf maximal 40 Jahre alt sein und muss vom Weltwirtschaftsforum, einem strategischen Partner oder YGL nominiert werden. Die Lebensläufe prüft ein Headhunter, am Ende gibt es ein Auswahlgespräch vor einem Komitee. Es gibt bereits 980 YGL aus 110 Nationen. 45 Prozent haben sich dem Alumni-Netz angeschlossen. Als Alumnus zahlt man eine Jahresgebühr und unterstützt damit die Stiftung. Diese stößt Initia­tiven wie beispielsweise die Ernährungsinitiative "Table for Two" an. 15 Initiativen gibt es bisher. Zu den deutschen Alumni zählen Lars Hinrichs, Silvana Koch-Mehrin, die Journalistin Carola Ferstl und Springer-Manager Peter Würtenberger. Angela Merkel und David Cameron gehörten der Vorgängerorganisation Global Leaders of Tomorrow an.
 

Atlantik-Brücke: Young-Leaders-­Programm

Das Programm der Atlantik-Brücke für junge Führungskräfte aus Deutschland und den USA besteht im Wesentlichen aus einer Young-Leaders-Konferenz, bei der 25 deutsche und 25 amerikanische Fellows mit Entscheidern aktuelle Themen diskutieren. Kandidaten können nur von Alumni und Mitgliedern der Atlantik-Brücke vorgeschlagen werden. Sie müssen zwischen 28 und 35 Jahre alt sein und ein Auswahlkomitee überzeugen. Das Alumni-Verzeichnis ist nicht öffentlich. Es heißt aber, dass Thomas de Maizière, Julia Klöckner, Cem Özdemir und Chris­tian Wulff das Programm durchlaufen haben.
 

Bertelsmann Stiftung: Deutsch-Israelischer Young Leaders ­Austausch

Im Jahr 2000 gegründet, soll das Format junge Führungskräfte aus Deutschland und Israel vernetzen. Die Teilnehmer sollen das jeweils andere Land besser kennen lernen und an gemeinsamen Fragestellungen und einem Schwerpunktthema arbeiten, um "neue Brücken für einen zukunftsorientierten Dialog" zu bauen. "Fellows Network Meetings" sollen den Zusammenhalt langfristig sichern. Eigenbewerbungen sind nicht möglich, die Bertelsmann Stiftung sucht stattdessen passend zum Thema "Mentoren" und bittet um Nominierungen.
 

The Trilateral Commission: David Rockefeller Fellow

The Trilateral Commission wurde 1973 von David Rockefeller gegründet, um jenseits offizieller Wege Japan, Europa und Nordamerika zu vernetzen. Mittlerweile ist aus der Japan-Gruppe eine "Asia Pacific Group" geworden und Mexiko Teil des Nordamerika-Zweigs. Rund 400 Mitglieder zählt die Trilaterale Kommission, Neumitglieder müssen auf Einladung hoffen und aufgrund der Quoten warten, bis jemand ausscheidet. Das "David Rockefeller Fellowship" soll jüngere Mitglieder an die Gruppe binden, was der Alterung des Netzwerks nur bedingt entgegenwirkt. Zu den Mitgliedern gehören Madeleine Albright, Michael Bloomberg, Henry Kissinger, Mario Monti, David Rockefeller, Eric Schmidt, Jean-Claude Trichet, Edelgard Bulmahn, Jürgen Fitschen, Wolfgang Ischinger, Klaus Peter Müller, Heinz Riesenhuber, Matthias Wissmann, Michael Inacker. Michael Fuchs, stellvertretender Vorsitzender der Unionsbundestagsfraktion, ist im Vorstand der Europagruppe.
 

Mirjam Stegherr

ist selbst MMF 2015, freie Kommunikationsberaterin und Journalistin. Zuvor war sie in leitender Position für den Verbraucherzentrale Bundesverband und Fischer Appelt tätig.