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Bild: Thinkstock/Ivary

AfD-TV? Nein danke!

In ihrem Strategiepapier für das Bundestagswahljahr liebäugelt die AfD damit, mittelfristig eigene Medien zu gründen. Diese Gedankenspiele gehen alle Parteien etwas an, denn mit eigenen Kanälen könnte sich die AfD einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

von Viktoria Bittmann

Wer das "Manifest 2017" der AfD studiert, dem kann um die Zukunft politischer Kommunikation angst und bange werden. Auf 33 Seiten hat die Partei ihre Strategie für das Wahljahr niedergeschrieben. Das im Dezember vom Bundesvorstand beschlossene und als vertraulich gekennzeichnete Papier offenbart die Denke jener Partei, die sich mit dem Claim "Mut zur Wahrheit" als Verfechterin derselben geriert. Das Papier zeigt einmal mehr: Die Partei hat ein gestörtes Verhältnis zu allem, was sie mit den Präfixen "Alt-" oder "Mainstream-" versieht. Umso ernster sollte man nehmen, wie sie ihr Problem mit den Medien zu lösen gedenkt.

Kurzfristig raten die Strategen dazu, auf Online-Medien zurückzugreifen, Flyer zu verteilen, Anzeigen zu schalten, direkt mit den Leuten zu sprechen, Guerilla-­Marketing auszuprobieren. So weit, so gut, so harmlos. Die Partei plant jedoch weitergehende Schritte: "Mittelfristig muss [...] überprüft werden, inwieweit die AfD Instrumente der Gegenmacht in der Öffentlichkeitsarbeit einsetzen kann." Hierzu könnten "ein eigenes Fernsehstudio, eigener Radio­sender, eine ­eigene Zeitung/Zeitschrift" gehören.

Ein Zentralorgan der AfD? Die Idee ist so verräterisch wie schlau. Die Ausgangslage ist jedenfalls ideal: Während ­Politik und Medien in der Glaubwürdigkeits- und Verlage obendrein in der Digitalisierungskrise ­stecken, kann die AfD auch dank staatlicher Mittel pers­pektivisch eigene Kanäle aufbauen. Gewiss: Ob letztere das Vertrauen der Menschen genießen, wird vor allem von deren Medienkompetenz abhängen. Dennoch müssen sich auch Parteien die Gretchenfrage stellen: Was werden sie tun, wenn die AfD ungefiltert ein Millionenpublikum erreicht, während sie sich mit Journalisten herumschlagen? Werden sie auf "Waffen­gleichheit" verzichten?

Die Debatte über den Einsatz von Bots wirkt da wie ein Vorbote kommender Auseinandersetzungen über das Kräfte­verhältnis von Journalismus einerseits und politischer Kommunikation andererseits. "AfD TV" oder ein äquivalentes ­Magazin wären das Eine. Eine Ketten­reaktion der übrigen Parteien wäre ungleich schlimmer. Von den heutigen Printmedien und ihren Online-­Ablegern werden nur wenige übrigbleiben. Neue ­Portale, teils mit zweifel­haftem Hintergrund (RT Deutsch, Breitbart), gehen an den Start. Kommen auf diesem von Meinungen und Ideologien dominierten Markt Partei­organe hinzu, ist die Debatte in Gefahr. Man muss kein ­Geschichtsbuch zur Hand nehmen, um zur Erkenntnis zu gelangen, dass diese Sorte "neuer Medien" in die Irre führt.

Viktoria Bittmann

ist Chefredakteurin von politik&kommunikation.