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Westfalen-Blatt

Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur Gesundheitsreform

Bielefeld (ots) - »Die größte aller Torheiten ist, seine
Gesundheit aufzuopfern, für was es auch sei, für Erwerb, für
Beförderung, für Gelehrsamkeit, für Ruhm, geschweige für Wolllust und
flüchtige Genüsse: Vielmehr soll man ihr alles nachsetzen.« Diese
Worte des Philosophen Arthur Schopenhauer, der vor 150 Jahren starb,
besagen auch, dass ein jeder etwas für seine Gesundheit tun muss.
Diese vorbeugenden Leistungen sind vom Patienten zu erbringen,
geleitet und begleitet von Ärzten und Krankenkassen. Auf Heilung
hoffen nicht nur Patienten, sondern auch die Akteure des deutschen
Gesundheitssystems. Einer der Akteure, Bundesgesundheitsminister
Philipp Rösler (FDP), hat jetzt das Skalpell angesetzt, um
Wucherungen herauszuschneiden, damit der Heilungsprozess beginnen
kann. Alle Leistungserbringer wie Ärzte, Krankenkassen und Apotheken
müssen Einschnitte in Kauf nehmen. Weiterhin müssen die
Beitragszahler, Arbeitnehmer und Arbeitgeber, finanziell bluten. Sie
werden in Zukunft zur Finanzierung des Gesundheitssystems höhere
Beiträge zahlen müssen. Rösler musste sich gestern Kritik von allen
Seiten gefallen lassen. Die politische Opposition, Gewerkschaften,
Arbeitgeberverbände sowie Ärztevertreter und gesetzliche
Krankenkassen warfen dem Minister vor, dass die auf den Weg gebrachte
Gesundheitsreform falsch sei. Es werde, je nach Sichtweise, an der
falschen Stelle gespart, lautete das Wehklagen aus allen nur
denkbaren Richtungen. Der Versicherte selbst, der Patient, ist
angesichts dieser Gegensätze arg verunsichert. Ärzte, wie zum
Beispiel das neue Aktionsbündnis Fachärztlicher Organisationen in
Nordrhein-Westfalen, stellen zwar die Notwendigkeit von Sparpaketen
nicht in Frage, sagen aber im gleichen Atemzug, dass Fachärzte
bundesweit in den vergangenen zwölf Jahren Leistungen im Wert von 100
Milliarden Euro unvergütet auf eigene Kosten erbracht haben. Den
Patienten wurde geholfen, ohne dass Krankenkassen dafür zahlten.
Einsparen könne man besser bei den Verwaltungen der gesetzlichen
Krankenkassen, den Kassenärztlichen Vereinigungen und der
Kassenärztlichen Bundesvereinigung, lautet das immer wiederkehrende
Argument. Selbst in der Krise würden die Gehälter der
Kassenfunktionäre steigen. Die Kassen wiederum betonen, dass die
Honorare der Ärzte in der Krise zweistellig gewachsen sind, es gar in
Deutschland 25 000 niedergelassene Ärzte zu viel gibt und bei
Behandlung sowie Arzneimitteln unnötig Geld ausgegeben wird. Ärzte
und Krankenkassen sind gemeinsam für die Gesundheit zuständig. Nur
wenn Ärzte und Kassen gemeinsam Rezepte für die Zukunft ausstellen,
gelingt mehr als nur eine Notoperation. Torheiten, siehe
Schopenhauer, behindern immer noch eine Gesundheitsreform, die als
solche auch mit Fug und Recht bezeichnet werden kann.

Originaltext: Westfalen-Blatt
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/66306
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_66306.rss2

Pressekontakt:
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Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261

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