Osnabrück (ots) - In der Endlosschleife
Die aktuelle Debatte über Integration droht so zu enden wie viele
andere vor ihr: Nach einigen Wochen Palaver und Streit verläuft
vieles im Sand. Das altbekannte Muster ist schon jetzt erkennbar.
Nachdem der erste Schreck über die Thesen Thilo Sarrazins verdaut
ist, überbieten sich die Politiker landauf, landab dabei, "die Sorgen
der Menschen ernst zu nehmen".
So schlägt sich mancher flugs auf die Seite des
Noch-Bundesbankers, weil der im Moment auf einer Welle der Sympathie
reitet, während andere Politiker mit fester Stimme eine tabulose
Debatte ankündigen. Und was geschieht tatsächlich? Die Regierung holt
die Ladenhüter der Zuwanderungspolitik aus dem Regal. Doppelte
Staatsbürgerschaft, ausländische Bildungsabschlüsse, Steuerung der
Zuwanderung, Islamunterricht in deutschen Schulen et cetera. Aus den
Ländern kommt der Zwischenruf, zum Fördern gehöre auch Fordern. Und
die Kanzlerin setzt die Erkenntnis "Bildung, Bildung, Bildung"
obendrauf.
Das alles sind richtige Stichworte. Es fragt sich nur, warum sie
nicht längst in die Praxis umgesetzt sind. So beschleicht den
Zuschauer der Eindruck, er befinde sich in einer Endlosschleife des
Politikbetriebs, der die Ansprachen des vergangenen Jahrzehnts
wiederholt. Genau das schürt aber jene Enttäuschung, die Sarrazin für
sich nutzt. Dabei hat er - abgesehen vom Unsinn über Genetik und
vererbte Dummheit - in seinem Buch nichts Neues verraten. Solange die
Politik es aber nicht schafft, auch auf die unbequemen Fragen der
Zuwanderung Antworten zu geben, bleiben Schwarz-Weiß-Maler wie
Sarrazin im Geschäft.
Originaltext: Neue Osnabrücker Zeitung
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/58964
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_58964.rss2
Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion
Telefon: 0541/310 207
Mindestlohn, Oberschule, Energiewende: Angela Merkel stellt die Weichen für den Bundestagswahlkampf 2013 – dabei vernachlässigt sie zunehmend die CDU-Basis.
Die Brüder Charles und David Koch spalten die USA: Für die Liberalen sind sie Reizfiguren, bei den Konservativen gelten sie als Ikonen – wie groß ist ihr Einfluss wirklich?
Ende November hat p&k den Politikaward verliehen. Bei einer festlichen Gala im Tipi am Kanzleramt wurden verdiente Politiker und gelungene Kampagnen ausgezeichnet.