Düsseldorf (ots) - Heute vor einem Jahr fielen in der Provinz
Kundus die Bomben auf zwei entführte Tankwagen. Auch viele Zivilisten
starben. Ähnlich tragische "Kollateralschäden" hatte es in
Afghanistan beim Kampf gegen die Taliban bereits etliche Male
gegeben. Doch diesmal waren es nicht die Amerikaner oder Briten - es
war ein deutscher Offizier, der den tödlichen Befehl gab. Der
Luftangriff ließ die lange gepflegte Lüge zerplatzen, die Bundeswehr
sei als eine Art bewaffnetes Technisches Hilfswerk zum Bau von
Schulen und Brunnen im Einsatz. Nachkriegs-Deutschland hatte
plötzlich seine Unschuld verloren. Den verzweifelten
Verschleierungsversuchen der Bundesregierung zum Trotz kam aber nicht
nur die traurige Wahrheit über das Bombardement ans Licht. In der
Folge wurde erschreckend klar, dass die Politik die katastrophale
Gesamtlage schöngeredet hatte: eine Bundeswehr in der Region Kundus
auf fast verlorenem Posten. Minister und Generalinspekteur stürzten
im Strudel der Vertuschungsaffäre. Doch wirkliche Konsequenzen, die
eine Wende am Hindukusch bewirken könnten, wurden bis heute nicht
gezogen. Der Luftangriff von Kundus könnte deshalb der Zeitpunkt
gewesen sein, an dem der Westen den Kampf um Afghanistan verloren
hat.
Originaltext: Rheinische Post
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