Essen (ots) - Gesundheitsminister Philipp Rösler musste sich von
seinen Kritikern in den vergangenen Monaten einiges anhören: Demnach
betreibt er Klientelpolitik, taucht bei wichtigen Themen gerne ab und
ist ein freundlicher aber unverbindlicher Zeitgenosse. Langsam deutet
sich an, dass der höfliche Minister auch ganz anders kann - oder
zu-mindest möchte. Sich beim ersten Kräftemessen mit dem
Kostentreiber Arzneimittelin-dustrie anzulegen, zeugt von Mut und
nicht von Klientelpolitik. Rösler geht mit seinem Kampf gegen die
mächtige Pharmalobby ein großes Risiko ein. Wenn er an ihr scheitert,
dann ist der Ruf des Ministers gründlich ruiniert, bevor er so
richtig Fuß gefasst hat.
Sollte Rösler das Preisdiktat der Pharmabranche brechen, dann hätte
er auf dem Weg zur Reform des Gesundheitswesens einen wichtigen Sieg
errungen. Seiner Vorgängerin Ulla Schmidt ist dieser verwehrt
geblieben. Rösler könnte sich sein eigenes "Denkmal" setzen und
nebenbei für die FDP, die sich den Vorwurf der Klientelpolitik zu
Recht gefallen lassen muss, Sympathiepunkte zurückgewinnen. Noch
steht Rösler am Anfang mit seiner Reform. Aber immerhin hat er
offenbar konkretere Einsparpläne erarbeitet, als ihm die Kritiker -
auch aus der Koalition - zugetraut hatten.
Originaltext: Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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