Politik & Kommunikation - Politik, Wirtschaft und Medien

Wahl-Newsletter
empty

„Politik folgt eigenen Regeln“


Bundestagsabgeordnete bei einer Abstimmung Ende September



Mehr als 150 Staaten haben die UN-Konvention gegen Korruption unterzeichnet – Deutschland nicht. Der Grund: Die Konvention sieht verschärfte Regeln zur Abgeordnetenbestechung vor, und solche hält eine Mehrheit der Parlamentarier für unnötig. Nichtregierungsorganisationen hingegen fordern seit langem ein schärferes Gesetz. Zu Recht? Nein, sagt der Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses, Siegfried Kauder (CDU). Er findet: „Das freie Mandat verträgt keine Bindung an Korruptionsvorschriften.“ Lesen Sie hier den zweiten Teil unserer Pro&Kontra-Rubrik.

Volksvertreter sind weder Beamte, noch ihnen gleichgestellt. Staatsdiener sind in ihren Entscheidungen nicht frei – von ihnen erwarten die Bürger ein unparteiisches Vorgehen. Hält ein Beamter die Hand auf, ist das Ansehen des Staats in Gefahr. Es ist deshalb gut, dass die UN alle Staaten aufgerufen hat, sich im Kampf gegen Korruption zusammenzuschließen.

Es hat etwas für sich, sicherzustellen, dass Abgeordnete sich ihr politisches Handeln nicht abkaufen lassen dürfen – die Korruptionsvorschriften des Strafgesetzgebers passen allerdings nicht zum politischen Handeln. Es fehlen Leitplanken, innerhalb derer Zuwendungen politisch adäquat sind und außerhalb derer ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt.

Seit Jahren versuchen Juristen vergeblich, diese Grenze zu finden. Abgeordnete üben ein freies Mandat aus und sind nur ihrem Gewissen verantwortlich; ihre Entscheidungen sind politisch begründet, und Politik folgt eigenen Regeln. Kontakt zu Bürgern ist für Abgeordnete unabdingbar. Dazu gehören auch Einladungen und gelegentliche Zuwendungen.

Das freie Mandat verträgt keine Bindung an Korruptionsvorschriften. Der Versuch, das Spannungsverhältnis zwischen UN-Vorschrift und materiellem Recht zu lösen, ist in Österreich kläglich gescheitert. Die Abgeordneten wurden Beamten gleichgestellt, aber durch die Hintertür von den sich daraus ergebenden Pflichten befreit. Trotz dieses Taschenspielertricks laufen österreichische Abgeordnete Gefahr, wegen Bestechlichkeit vor Gericht gezerrt zu werden. Würde man die deutschen Abgeordneten den Korruptionsvorschriften unterwerfen, hieße das, das parlamentarische Gefüge massiv zu stören.

Ich bleibe dabei: Abgeordnete sind keine Beamten. Stimmenkauf ist bereits strafbar. Um den Parlamentarismus vor ungewünschten Angriffen zu schützen, ist mehr nicht nötig. Wer das freie Mandat einschränken will, muss die Lösung über die Verhaltensrichtlinien, die Abgeordnete sich selbst auferlegt haben, suchen. Alles andere wird scheitern.

Lesen Sie hier, warum Christine Lambrecht (SPD) fordert, die Regeln gegen Abgeordnetenbestechung zu verschärfen.

Siegfried Kauder (CDU)
ist Vorsitzender des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestags. Der 60-Jährige ist seit 2002 Mitglied des Parlaments. Seit 1978 ist Kauder als Rechtsanwalt in Villingen-Schwenningen tätig.

  • Seite 1 von 1
  • 1

Obamas neuer Slogan

Get Adobe Flash player

Kalender

« Mai 2012 »
KW Mo Di Mi Do Fr Sa So
18   1 2 3 4 5 6
19 7 8 9 10 11 12 13
20 14 15 16 17 18 19 20
21 21 22 23 24 25 26 27
22 28 29 30 31
  • Farbe: 1 Sitzungswoche Bundestag
  • Farbe: 2 Plenarsitzung Bundesrat
  • Farbe: 3 Plenartagung EU-Parlament

Wenn am nächsten Sonntag gewählt würde...

Get Adobe Flash player

Hier gehts zur Sonntagsfrage




p&k verrät Ihnen Wechsel und Wahl-News jetzt noch schneller und direkter: per Twitter. Abonnieren Sie hier unser Gezwitscher.

twitter.com/pundk

Erste Medien melden angeblichen Röttgen-Rücktritt vom Ministeramt. #Röttgen

vor ungefähr 21 Stunden

Kienbaum-Studie: Regierung hält eigene Frauenquoten-Vorgaben nicht ein. http://t.co/P38x1hsI

vor 1 Tag

Endlich mal ein Superheld, der sich gepflegt ausdrückt. http://t.co/pumHvtlr

vor 7 Tagen

Die aktuelle Ausgabe politik&kommunikation



Cover der Aktuellen Ausgabe 86 » Heft bestellen

Inhalt

Nur mal drüber reden

Der Bürgerdialog der Bundeskanzlerin ist mehr Regierungs-PR denn ein Angebot zur Partizipation – sagen Kritiker. Zu unverbindlich sei die Aktion.

Ein Auto für jeden

Die Automobilbranche ist immer noch das Herzstück der deutschen Wirtschaft, und ihre Akteure sind gut vernetzt – p&k analysiert die Machtstrukturen in der Verkehrspolitik.

Von Peking bis Schweden

China will seinen Einfluss in der Welt ausbauen. Wichtiger Teil der Strategie sind die Konfuzius-Institute – p&k zeigt, wie die „sanfte Machtausdehnung“ funktioniert.

zum kompletten Inhaltsverzeichnis

Magazin

Logo: Wahllexikon

Neuwahl(en)

Der Deutsche Bundestag wird alle vier Jahre am Ende der Legislaturperiode gewählt. In Ausnahmefällen - beispielsweise wenn der Bundestag vorzeitig durch den Bundespräsidenten aufgelöst wird - … zum Lexikon