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„Macht macht sexy“


Macht macht sexy

Ursula Kosser (Foto: Holger Arndt)



Männer dominieren die Politik und den Journalismus. Über das Verhältnis von Macht und Sex sprach p&k mit der langjährigen „Spiegel“-Redakteurin Ursula Kosser. Sie hat darüber ein Buch verfasst.

Interview: Felix Fischaleck


p&k: Frau Kosser, in Ihrem Buch „Hammelsprünge“ sprechen prominente Zeitzeugen über Macht und Sex in der deutschen Politik. Wie schwierig war es, Kollegen und Politiker als Gesprächspartner zu gewinnen?

Ursula Kosser:
Erstaunlich leicht. Die meisten Politiker, die ich angeschrieben habe, haben positiv reagiert. Dann gab es aber auch die, denen die Sache offenbar anrüchig erschien. Diese Personen haben teilweise ziemlich ruppig reagiert. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte zum Beispiel ab, weil er Geschichten zu diesem „Themenkreis“ leider nicht beitragen könne. Bei den Journalisten und Journalistinnen gab es unterschiedliche Reaktionen – von „tolles Thema“ bis „lass mich damit in Ruhe!“

Sie waren Anfang der 90er Jahre die einzige Frau im Bonner „Spiegel“-Büro. Wie war es für Sie, in diesem männerdominierten Umfeld zu arbeiten?

Ich war die Jüngste unter zwölf Männern – das hatte seine Vor- und Nachteile. Das kann man nicht nur als furchtbar schrecklich darstellen. Ich war das Küken. Und ein Küken kann auf sich aufmerksam machen, indem es heftig flattert – das weiß man aus der Familie. Zuständig war ich in erster Linie für weiche Themen wie Frauen- und Sozialpolitik, die wahre Männerpolitik wurde mir weder zugemutet noch zugetraut.

Konnten sich Journalistinnen denn gegen das „Männerregime“ der Bonner Republik zur Wehr setzen?

Als Frauen wurden wir in die bestehenden Hintergrundkreise der Bonner Republik nicht eingeladen. Deshalb haben wir zwei eigene Hintergrundkreise gegründet – die „Lila Karte“ und das „Rote Tuch“. Sie wurden zunächst überhaupt nicht ernst genommen. Die Männer dachten, wir stricken da oder backen Plätzchen. Das hat sich aber schnell geändert, denn zu unseren Treffen kamen schon nach kurzer Zeit hochrangige Politiker, die sich gerne mit uns unterhalten und Wert auf unsere Einschätzungen gelegt haben.

Haben es Frauen in der Politik und im Journalismus heute leichter als zu Bonner Zeiten?

Insgesamt sind wir in Deutschland natürlich fortschrittlicher geworden. In der Breite hat sich die Situation bei den Abgeordneten und den Journalisten auf jeden Fall verbessert: Es gibt sehr viel mehr Frauen und diese sind auch viel selbstbewusster. Aber was wiederum dafür spricht, dass sich nicht so viel geändert hat, ist die Aktion „Pro Quote“ (Initiative von Journalistinnen, die fordert, dass mindestens 30 Prozent der journalistischen Führungspersonen mit Frauen besetzt werden, d. Red.). Frauen stoßen an die gläserne Decke, sobald sie versuchen, in leitende Positionen zu kommen. Deshalb brauchen wir eine gesetzliche Frauenquote – nicht nur im Journalismus. Das Problem ist ja überall dasselbe.

Warum setzen prominente Politiker – wie zuletzt Dominique Strauss-Kahn – für Sex ihre Karriere aufs Spiel?

Macht macht sexy. Wenn man ständig erlebt, dass Leute etwas von einem wollen und einem nach dem Mund reden, dann muss man schon eine sehr stabile Persönlichkeit sein. Wer die nicht hat, kann sich schnell überschätzen und die Regeln des Anstands aus den Augen verlieren.

Wie hat sich die mediale Berichterstattung über sexuelle Affären von Politikern verändert?

Wir Deutschen neigen ja nicht dazu, alles an die Öffentlichkeit zu zerren. Aber die Zeiten ändern sich. Eine große Rolle spielen dabei sicherlich die neuen Medien. Die außereheliche Affäre von Horst Seehofer etwa wäre zu Bonner Zeiten sicher nicht publik geworden. Damals gab es genauso viele Affären, aber sie kamen nicht so an die Öffentlichkeit.

Ist die Verknüpfung von Macht und Sex eigentlich ein rein männliches Phänomen? Oder missbrauchen auch Frauen ihre Macht?

Wir haben ja nicht so viele Frauen in Führungspositionen, die ihre Macht ausnutzen könnten. Von Katharina der Großen ist bekannt, dass sie viele jugendliche Lover hatte, die sich ihr hinzugeben hatten. Ich glaube aber grundsätzlich, dass eine Frau unter Macht nicht dieses Gockelgehabe versteht. Für uns ist Macht nicht gleich Potenz. Für viele Männer ist Macht immer gleich Potenz und das Werben um die Frau – im guten wie im schlechten Sinne – automatisch ein Sinnbild für männliche Kompetenz. Frauen sehen das anders, deshalb ist die Verknüpfung von Macht und Sex überwiegend ein männliches Phänomen.

Ursula Kosser
Die 53-Jährige ist seit 2000 Chefin vom Dienst für RTL und n-tv im Landesstudio München. Im Februar erschien ihr Buch „Hammelsprünge“ im Dumont-Verlag.

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