So sehr das liberale Amerika mit den beiden Industriellen auf Kriegsfuß steht: Auch die Demokraten bauen auf einen Milliardär, der die Partei finanziell unterstützt: den Investor George Soros. Mit seinem Open-Society-Institut hat der 81-Jährige zahlreiche demokratische Kampagnen unterstützt – 2008 auch die des damaligen Präsidentschaftskandidaten Obama. Doch im Gegensatz zu den Koch-Brüdern unterstützt Soros zivilgesellschaftliche Projekte. Er setzt sein Geld nicht dafür ein, den eigenen Reichtum politisch abzusichern. Die Kochs machen das – und vertrauen dabei nicht nur auf AFP und FW.
1977 war Charles Koch einer von drei Gründern des konservativen Cato Instituts, heute einer der einflussreichsten Think-Tanks der USA. Laut dem Center for Public Integrity haben die Koch-Brüder der Denkfabrik alleine in den 80er und 90er Jahren rund elf Millionen US-Dollar gespendet. Cato verfasst Studien, die zahlreiche Zeitungen, TV-Sender und Webseiten weiterverbreiten. Kernthemen des Think-Tanks laut eigener Webseite: „Freiheit, schmaler Staat und freie Wirtschaftsmärkte“. Auch die Umweltpolitik gehört zu den Kernthemen der libertären Denkfabrik: 2008 schaltete Cato eine ganzseitige Anzeige in der „New York Times“, in der das Institut erklärte, warum Obamas These der wissenschaftlich belegbaren Erderwärmung falsch sei. Die ideologisch aufgeladenen und mit einem wissenschaftlichen Gütesiegel versehenen Studien beeinflussen längst die öffentliche Meinung.
Ein gekaufter Präsident?
Zurzeit sorgen die republikanischen Präsidentschaftskandidaten dafür, dass politische Schlagwörter wie Steuererleichterungen und Ausgabenkürzungen in politischen Diskussionen auftauchen. So zum Beispiel bei den von Millionen US-Amerikanern verfolgten TV-Debatten der Partei – oder jener AFP-Konferenz Anfang November in Washington. Als prominenten Redner konnte die Organisation unter anderem den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney gewinnen. Artig bedankte er sich bei David Koch für die Einladung: „Vielen Dank für all das, was Sie und AFP tun.“ Bei so viel demonstrativer Nähe fragen sich viele Amerikaner: Entscheiden am Ende gar die beiden Koch-Brüder mit ihrem Milliardenvermögen, wer ins Weiße Haus einzieht?
„Das glaube ich nicht“, sagt Christoph von Marschall. Natürlich, Geld sei wichtig. Anzeigen und TV-Werbung in den einzelnen Bundesstaaten zu schalten, sei nun mal kostspielig. „Aber“, fügt von Marschall an, „Geld ist nicht alles.“ Am Ende zähle der Kandidat. Dieser müsse glaubwürdig sein, für etwas stehen – und die Parteibasis begeistern. Ein solcher Kandidat fehle den Republikanern. Von Marschall ist sich sicher: „Das Geld der Koch-Brüder ist hilfreich. Aber selbst sie können mit noch so viel Geld nicht einen Politiker ins Weiße Haus bringen, den die Wähler nicht wollen.“
Johannes Altmeyer
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