Otto Wulff, Chef der Senioren-Union, und Junge-Union-Chef Philipp Mißfelder
Sie stellen einen Großteil der Wähler, doch haben sie wenig Einfluss in den Parteien: die Senioren. Ältere, noch aktive Politiker treten nur ungern ihren Vereinigungen bei – die Angst, man könnte sie zum alten Eisen zählen, ist zu groß.
Anfang August warf Erwin Teufel der CDU Profil- und Ideenlosigkeit vor und zettelte damit einen Richtungsstreit innerhalb der Christdemokraten an, der Angela Merkel den Sommerurlaub vermiesen sollte. Seine „Berliner Rede“ hielt der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg vor der Kreisvorsitzendenkonferenz der Senioren-Union, womit er der CDU-Vereinigung etwas bescherte, das sie nicht oft hat: eine hohe mediale Aufmerksamkeit. Denn auch, wenn die Senioren-Union im Vergleich zu den Seniorenvereinigungen der anderen Parteien noch recht gut aufgestellt ist, kämpfen die Vereinigungen doch alle mit den gleichen Problemen: geringer medialer Aufmerksamkeit und bescheidenen Ressourcen.
Senioren sind bei allen Wahlen die stärkste Wählergruppe der Unionsparteien, entsprechend gut ist die Bundesgeschäftsstelle ausgestattet. Fünf Hauptamtliche arbeiten im Adenauer-Haus für die Senioren-Union. Das sind Welten im Vergleich zur „Arbeitsgemeinschaft 60 plus“ der Sozialdemokraten. Gerade anderthalb Planstellen stehen im Willy-Brandt-Haus zur Verfügung, die Mitarbeiter bearbeiten zudem für die Partei das Thema Seniorenpolitik.
Als einzige der Seniorengruppierungen findet die Senioren-Union häufiger in den überregionalen Medien statt, und um das zu fördern, wenden ihre Repräsentanten gerne die Holzhammer-Methode an: So forderte der Vizebundesvorsitzende Leonhard Kuckart Anfang des Jahres, dass Kitas wegen der Lärmbelästigung aus Wohngebieten verbannt werden sollten. Bundesweite Aufmerksamkeit war dem ehemaligen NRW-Landtagsabgeordneten sicher.
Die Führung der 57.000 Unions-Senioren fällt innerhalb der CDU häufiger auf. Mit ihrer auf konservative Werte ausgerichteten Politik stellt sie sich gegen den aktuellen Modernisierungskurs der Partei. Den Schulterschluss hingegen suchen sie mit dem Nachwuchs, mit der Jungen Union. Allein im Bundestagswahlkampf 2009 absolvierten die beiden Bundesvorsitzenden Otto Wulf und Philipp Mißfelder mehr als 80 gemeinsame Auftritte. Die beiden Politiker propagieren eine „Union der Generationen“.
Die Senioren-Union scheint in gewissem Sinne jedoch ein Ehemaligen-Verein zu sein, denn nur 15 von 239 Bundestagsabgeordneten sind Mitglied der Senioren-Union. Ehemalige Parteigrößen sucht man in den Vorständen in Bund und Ländern ebenfalls vergebens.
Alte als Berater
Was Akzeptanz und Organisation angeht, stecken die „Grünen Alten“ noch in den Kinderschuhen: Der Verband kommt bundesweit nur auf etwas mehr als 100 Mitglieder. Mangels Größe und Einfluss ist der eingetragene Verein bis heute keine offizielle Organisation der Bündnisgrünen, obwohl dies ein wichtiges Ziel der Grünen Alten ist. Die Bundespartei gewährt Unterstützung in Form von finanziellen Zuwendungen und Tagungsmöglichkeiten in der Bundesgeschäftsstelle, das Tagesgeschäft läuft ehrenamtlich.
Doch die Zusammenarbeit könnte besser sein. Nach vielen Auseinandersetzungen mit der Mutterpartei etabliert sich derzeit in Hamburg – nach Bremen – erst der zweite Landesverband. Von Sichtbarkeit in den Parlamenten sind die Grünen Alten weit entfernt. Ältere Abgeordnete der Grünen scheuen offenbar den Beitritt zu einer Senioren-Organisation. Sie befürchten, dass die Mitgliedschaft so interpretiert werden könnte, als zögen sie sich aufs Altenteil zurück. Und das könnte bei der nächsten Listenaufstellung wichtige Stimmen kosten. Doch die Bundesvorsitzende Ingrid Borretty ist zuversichtlich und setzt auf den Faktor Zeit: „Das Thema wird sich durch die demographische Entwicklung bei den Grünen automatisch richten.“ Lobende Worte findet die ehemalige Bürgermeisterin von Offenbach für die Arbeit der Bundestagsfraktion. Hier hätten sich die Grünen Alten mittlerweile Beraterstatus erarbeitet. „Dort werden unsere Anliegen ernst genommen“, sagt Borretty. Einladungen zu Klausurtagungen und Mitarbeit an Positionspapieren sind nur einige Beispiele für den guten Draht.
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